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Die 6 „beliebtesten“ Dauerfalschmeldungen über die moderne Landwirtschaft und den LBV

Es wäre doch so einfach, würde es im Leben immer  nur „schwarz & weiß“ und „gut & böse“ oder „richtig & falsch“ geben. Das Leben ist aber ganz anders! Oft setzen sich Aussagen fest, die – u.a. aus Mangel  an Zeit - nicht genügend hinterfragt werden. Gerne werden einfache Schemata benutzt und Klischees bedient! Gerade wenn Wahlkampf ist oder NGO’s eine Kampagne durchpeitschen, Unterschriften und ggf. auch Spendengelder

einsammeln wollen, werden gerne „Schwarz-Weiß Muster“ bemüht. Und der Empfänger der Botschaft (der Verbraucher) ersetzt „Wissen“ durch „Fühlen“! Das ist auch recht einfach, denn kaum jemand hinterfragt logisch klingende Aussagen. Der Bauernverband möchte deshalb – jeweils ganz kurz - einige Themen anreißen, die häufig und gerne falsch verbreitet werden, egal ob bewusst oder unbewusst! Denn, „… auch wenn etwas 100 x falsch gesagt wird, wird es dadurch nicht richtig!“                   

1.     Gerne geglaubt  wird: Familienbetriebe & Ökobetriebe sind die „Kleinen“ und die Anderen die „Großen“! Richtig ist: In Brandenburg gibt es Familienbetriebe mit einer Betriebsgröße von fünf bis viele hundert Hektar. Andererseits gibt es auch bei den sogn. juristischen Personen (GmbH, Agrargenossenschaften etc.) Betriebsgrößen von klein bis sehr groß. Spiegelbildlich zur Betriebsstruktur in der konventionellen Landwirtschaft stellt sich die Ökolandwirtschaft dar. Auch hier gibt es Betriebsgrößen von kleiner 5 bis größer 2.000 ha.

2.     Propagiert wird oft: Konventionelle Tierhaltung = Massentierhaltung und Ökolandwirtschaft = Tiergerechte Landwirtschaft. Richtig ist: Nicht jeder Betrieb, des etwas größer ist als Omas Hühnerhof, ist gleich ein Massentierhalter. Es gibt keine Definition für Massentierhaltung. Vielmehr kommt es auf die Einzeltierbedingungen an und diese sind unabhängig von der Betriebsgröße und der Besitzverhältnisse des Betriebes. In Brandenburgs Rinderbetrieben (groß & klein) gibt es keine Anbindehaltung mehr. Dagegen ist es z.B. auf romantischen Bauernhöfen in den Alpen noch üblich die Kühe im Stall anzubinden. Auch verbringen in neuen Bundesländern mehr Milchkühe (19%) ihr Leben auf der Weide, als beispielsweise in Bayern (16%).

3.     Behauptet wird oft: Konventionell arbeitende Betriebe schädigen die Umwelt und arbeiten nicht nachhaltig! Richtig ist, dass alle Betriebe gleichermaßen den Gesetzen und Anforderungen unterworfen sind und von ihnen bei ordnungsgemäßer Bewirtschaftung keine Schäden für die Umwelt ausgehen. Zusätzlich betreiben viele der konventionell arbeitenden Betriebe in verschiedenen Formen Extensivierung. Rund 1/3 der Brandenburger Agrarfläche wird in irgendeiner Form mit Agrarumweltmaßnahmen oder extensiv bewirtschaftet.

4.    Gerne wird behauptet: Die wachsende Weltbevölkerung kann ausschließlich mittels Ökolandbau und kleinbäuerlicher Wirtschaftsweise ernährt werden! Richtig ist: Die Weltbevölkerung wächst rasant, der Lebensstandard steigt und der Nahrungsmittelbedarf wird sich bis 2050 mehr als verdoppelt (2x)  haben. Die Erträge im Ökolandbau sind viel geringer als im konventionellen Ackerbau. In Brandenburg waren es 2014 nur etwas mehr als ein Drittel (38%) des konventionellen Getreideertrages. Hinzu kommt, dass beim Anbau von Ökogetreide die von den Mühlen vermahlene Anteil nur halb so hoch ist wie von konventionell erzeugtem Getreide (Faustzahl: konventionelles Getreide wird zu einem doppelt so hohen Pozentsatz vermahlen wie Ökogetreide). Das heißt, um z.B. die gleiche Menge Brotgetreide für die wachsende Bevölkerung zu produzieren, würde man hier rein rechnerisch 12 x so viel Fläche benötigen! (2x3x2=12) Hinzu kommt andererseits allein in Deutschland ein täglicher Flächenschwund von 3 bis 7 ha/täglich. Die Schere zwischen Bedarf und vorhandener Fläche wird also immer größer. Allein auf Grund o.g. Faktoren muss ganz allgemein gefragt werden: „Wie sollen da – vor allem im politisch krisengeschüttelten Afrika - der Ökolandbau und kleinbäuerliche Strukturen das ständig wachsende Ernährungsproblem lösen?

5.     Behauptet wird: Der Bauernverband tritt für Massentierhaltung ein. Richtig ist: Der LBV Brandenburg tritt für ein Mehr an Tierhaltung in Brandenburg ein. Das heißt nicht mehr Massen-Tierhaltung. Es gibt eine Vielzahl von Betrieben, die gerade ihre Ställe erneuern, modernisieren (den Tieren mehr Platz einräumen) wollen und auch in begrenztem Maße erweitern wollen. Diese werden ganz schnell als Massentierhaltung abgestempelt. Ein typisches Beispiel für die o.g. Schwarz-Weiß Problematik. Dagegen arbeitet der Bauernverband derzeit an einer „Initiative Tierwohl“, die den Tieren zu Gute kommt und von der abnehmenden Hand und dem Verbrqaucher auch vergütet wird.

6.     In den Raum gestellt wird gerne: Der Bauernverband sei gegen Ökolandbau und nachhaltige Landwirtschaft! Richtig ist: Der Bauernverband tritt für Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft ein. Das Handeln des gesamten Berufsstandes ist auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Sowohl in den Kreis- als auch im Landesvorstand des Bauernverbandes sind Ökobetriebe vertreten. Im Verband gibt es u.a. einen Fachausschuss für Ökolandbau, der schon frühzeitig eine Weiterführung der Ökoförderung gefordert hat, ohne die die Betriebe nicht überleben können. Viele Ökobetriebe sind sowohl in den Ökoverbänden als auch im Bauernverband organisiert. Unsere Öko-LBV-Mitgliedsbetriebe bewirtschaften 40% der gesamten registrierten Ökofläche in Brandenburg.

Wir brauchen keine Agrarwende, sondern ein Agrardiskussionswende, weg von der Verblendung der Bevölkerung hin zu mehr ehrlichem Dialog! Der Bauernverband ist zum Gespräch bereit. Nur darf dabei nicht das „Denken“ durch das „Fühlen“ ersetzt werden!

Für nähere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:
Holger Brantsch, Pressesprecher des LBV; Tel 0 33 28  -  319 204 oder 0151 – 1221 8693



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